Abschlussveranstaltung „Aktionsplan Inklusion“ zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention

7.11.2016 Memmingen. Nach gut drei Jahren endete nun die wissenschaftliche Betreuung durch Prof. Dr. Markus Jüster von der Hochschule Kempten zur Erarbeitung eines „Aktionsplan Inklusion“ zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention.

Die Initiative zur Erstellung des Arbeitsprogrammes geht zurück auf den Behindertenbeirat und die damalige kommunale Behindertenbeauftragte Heidi Dintel. Der Stadtrat gab daraufhin in seiner Sitzung im Juli 2013 grünes Licht zur Erstellung des Planes im Rahmen der perspektive memmingen. Ganz bewusst sollte die Erstellung des Aktionsplans nicht im Bereich „Soziales“ angesiedelt sein, da dieses Thema alle Bereiche des Lebens betrifft.

In dem vollbesetzten Foyer des Landestheaters präsentierte Prof. Dr. Jüster über 100 interessierten Vertretern aus Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Verwaltung die Ergebnisse des Aktionsplanes. Seit Beginn sind nun mehr als 20 Projekte durchgeführt worden und 5 Arbeitskreise zu den Themen Bewusstseinsbildung, Kommunikation, Mobilität, Freizeit und Wohnen etabliert. Sie gehen zurück auf das „World Café“, dort kristallisierten sich die Themen, die die Menschen vor Ort am meisten bewegen schnell heraus. Als Beispiel nannte Prof. Dr. Jüster die barrierefreie Disco im Kaminwerk, Filmvorträge wie „Ein Tick anders“ und die Schulungen im Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs.

„Inkulsion ist nur dann inklusiv, wenn alle dabei sein können“, so Jüster. Dabei sei es wichtig, die Aufgaben zu koordinieren, damit keine Doppelstrukturen entstehen. Wie eine Wanderbaustelle sei die Inklusion, sagt der Projektleiter, es bedarf der ständigen Neuausrichtung, um alles im Blick zu haben. Es ist nicht ausreichend, sich nur auf einen Bereich zu konzentrieren. Es bedarf hier einer zusätzlichen Halbtagsstelle, die fachübergreifend angesiedelt ist und die Aufgaben koordiniert und die künftigen Aufgaben umsetzt. Zur Umsetzung stehen nämlich zahlreiche Projekte an. Beispielhaft seien genannt: Informationsbroschüren zum Thema „Bauen und Wohnen“ und „Barrierefreies Internet“. Insgesamt ist es wichtig, dass sich möglichst viele Akteure aus den unterschiedlichsten Bereichen an dem Prozess beteiligen.

Nach der offiziellen Präsentation des neue erstellten Aktionsplanes verlieh die Vorsitzende des Behindertenbeirates, Verena Gotzes, zusammen mit Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger den Pokal „An Behinderte gedacht“ an zwei ehrenamtlich sehr engagierte Damen: Brunhilde Engstle und Ingrid Willner-Sambs. Beide sind Mitglieder im Behindertenbeirat und machen sich seit langem um das Thema Inklusion verdient.

Im Anschluss erzählte der Kabarettist Rainer Schmidt in seinem Stück „Däumchen drehen“, dass Ängste und Vorbehalte gegenüber Menschen mit Behinderung oftmals aus Unkenntnis entstehen. Auf sehr humorvolle und gleichzeitig auch tiefsinnige Art, die zum Nachdenken anregte, veranschaulichte der studierte Theologe und ehemalige Goldmedaillengewinner der Paralympics, wie es ist, ein Mensch mit Behinderung zu sein und wie er persönlich und seine Umwelt mit Inklusion umgehen. Schmidt hat keine Unterarme und keine Hände. Resumierend sagt der Kabarettist: „Inklusion ist die Kunst des Zusammenlebens von sehr verschiedenen Menschen“.

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