Inklusion ist mehr als abgesenkte Bordsteinkanten

23.6.2016 Landkreis Unterallgäu. Ein Unfall oder eine schwere Krankheit − und plötzlich werden Treppenstufen zum unüberwindbaren Hindernis. Und auch die Mitmenschen wissen auf einmal nicht mehr so recht, wie sie mit der Person umgehen sollen.

Helmut Zettler kennt das. Seit einem Arbeitsunfall sitzt er im Rollstuhl. Als Behindertenbeauftragter der Gemeinde Buxheim setzt er sich für die Belange von Menschen mit Behinderung ein und sieht sich selbst als „Eisbrecher“.

An seinen Erfahrungen ließ er kürzlich bei einem Treffen im Landratsamt die Behindertenbeauftragten der Unterallgäuer Gemeinden teilhaben. Eingeladen hatten die Koordinationsstelle Inklusion am Landratsamt Unterallgäu und die Behindertenbeauftragten des Landkreises.

Oft gebe es Berührungsängste gegenüber Menschen mit Behinderung, hat Zettler erfahren: „Inklusion ist mehr als abgesenkte Bordsteinkanten und Aufzüge. Es geht darum, die Barrieren in den Köpfen abzubauen.“ Er appellierte auch an Arbeitgeber, die Stärken von Menschen mit Behinderung zu erkennen. Zettler arbeitet inzwischen in der Kundenberatung und als Selbständiger im Vertrieb.

Landrat Hans-Joachim Weirather unterstützte seinen Appell: Beim Landkreis Unterallgäu liegt die Quote der Mitarbeiter mit Behinderung bei sieben Prozent, durchschnittlich sind es bei Unterallgäuer Unternehmen 3,1 Prozent. „Wir müssen Arbeitgeber und Menschen mit Behinderung besser zusammen bringen“, betonte der Landrat.

Zur Sprache kam auch die Notwendigkeit von barrierefreiem Wohnraum. Weirather wies auf die Wohnberater im Landkreis Unterallgäu hin, die gerne weiterhelfen. Er betonte, im Unterallgäu wolle man bauliche Barrieren abbauen. „Dafür müssen wir auch Geld in die Hand nehmen.“ Gerade öffentliche Einrichtungen wie Schulen und Rathäuser müssten für jedermann zugänglich sein.

Über die Landkreisgrenze blicken ließ die Anwesenden Manfred Eder, der Behindertenbeauftragte der Gemeinde Fuchstal im Kreis Landsberg am Lech, der von seiner Arbeit berichtete. Beim regen Austausch der Behindertenbeauftragten zeigte sich, in den Unterallgäuer Gemeinden ist bereits viel in Bewegung, um Inklusion zu verwirklichen.

Info:

31 Gemeinden im Landkreis Unterallgäu haben einen Behindertenbeauftragten.

Außerdem gibt es zwei Behindertenbeauftragte des Landkreises: Ralph-Stefan Czeschner ist Ansprechpartner für die Bereiche Soziales, Arbeit, Schule und Freizeit. Erreichbar ist er unter Telefon (01 72) 8 63 21 03. Claus Irsigler ist Fachmann für das Thema Bauen und erreichbar unter Telefon (0 82 61) 9 95 – 3 31.

Seit Oktober 2014 hat der Landkreis Unterallgäu einen Kommunalen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. Ansprechpartnerinnen sind Caroline-Maria Gsöllpointner und Andrea Preissler-Springer von der Koordinationsstelle Inklusion am Landratsamt Unterallgäu, Telefon (0 82 61) 9 95 – 4 93 oder – 264.

Wichtige Informationen und Kontaktdaten der Behindertenbeauftragten der Gemeinden und der Wohnberater findet Ihr im Internet unter www.unterallgaeu.de/behinderung

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