Memmingen ist „Reformationsstadt Europas“

2.11.2016 Memmingen. Die Gemeinschaft der Evangelischen Kirchen in Europa (GEKE) hat jetzt Memmingen den Titel „Reformationsstadt Europas“ verliehen. Die Stadt gehört damit zu einem internationalen Netzwerk der Reformstädte Europas. Die Urkunde überreichte Prof. Dr. Martin Friedrich, Studiensekretär der GEKE, an Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger bei einem Festakt im Rathaus.

Die Stadt Memmingen gehört jetzt zusammen mit 73 weiteren Städten in 14 Ländern dem internationalen Netzwerk „Reformationsstädte Europas“ an. Nach dem Gottesdienst zum Reformationstag in der Memminger Kinderlehrkirche wurde der Titel in einem Festakt im Rathaus verliehen.

Dekan Christoph Schieder drückte seine Freude darüber aus, dass Memmingen in das Netzwerk der Europäischen Reformationsstädte aufgenommen wurde und nannte Memmingen in einem Atemzug mit den Städten Wittenberg, Oslo, Straßburg und Genf. „Dies ist ein wunderbarer Auftakt in das Jubiläumsjahr 500 Jahre Reformation, welches am 31. Oktober 2017 in St. Martin enden wird“, so der Memminger Dekan. Schieder sprach von einer historischen aber auch aktuellen Dimension der Zwölf Memminger Freiheitsartikel. Durch die Annahme des Titels zeige die Stadt, dass sie sich der christlich abendländischen Tradition verpflichte.

Zuvor hatte Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger die Gäste am Reformationstag in der Memminger Rathaushalle begrüßt. Mit Blick auf den Besuch des Papstes in Schweden und der gemeinsamen ökumenischen Erklärung mit dem Präsident des Lutherischen Weltbundes sprach der Rathauschef „von einer historischen Stunde für die Christen“. „Die Auszeichnung Memmingens spiegelt die geschichtliche Leistung unserer Stadt, die ja nicht nur als Häusern, sondern vor allem aus Menschen besteht“, dankte Dr. Holzinger.

In seiner Laudatio nahm der Studiensekretär der GEKE, Prof. Dr. Martin Friedrich, zur Entwicklung der Reformation Stellung. „Was als innerkirchliches Mönchsgezänk begann, hatte schnell Auswirkung auf das soziale Leben. Aus dem Ideal des mündigen Christen folgte das Ideal des mündigen Bürgers“, betonte Friedrich. Die von dem Memminger Kürschnergesellen Sebastian Lotzer verfassten „Zwölf Artikel“ der schwäbischen Bauernschaft, würden ein beeindruckendes Zeugnis dieser Haltung geben.

Die Reformation habe in vielfältigen Bereichen das Leben verändert. „Es gibt genügend Gründe, das 500. Reformationsjubiläum gebührend zu begehen. Dieses Jubiläum findet unter veränderten Voraussetzungen statt“, betonte der Studiensekretär. Heute begehe man das Reformationsjubiläum erstmals in einem Europa des Friedens. Gewalt und Krieg gelte nicht mehr als angemessenes Mittel, auf Differenzen zwischen Staat, Völkern und Religionen zu reagieren. Mehr und mehr werde die europäische Dimension der Reformation bewusst, so Friedrich weiter.

„Neben Straßburg, Konstanz und Lindau gehörte Memmingen zu den vier Städten, die 1530 auf dem Augsburger Reichstag die Confessio Tetrapolitana überreichte“, erläuterte Friedrich. Es verstehe sich eigentlich von selbst, dass Memmingen in die Schar der Reformationsstädte Europas aufgenommen wurde.

Unter Applaus überreichte Prof. Dr. Friedrich an Oberbürgermeister Dr. Holzinger die Urkunde mit der Memmingen jetzt die „Erlaubnis“ erhielt, sich als Reformationsstadt Europas zu bezeichnen.

Der Festakt und der Gottesdienst in der Kinderlehrkirche wurden vom Bläserchor St. Martin feierlich musikalisch umrahmt.

Die GEKE (Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa) ist der Verbund der evangelischen Kirchen in Europa. 94 lutherische, methodistische, reformierte und unierte Kirchen aus über 30 Ländern Europas und Südamerikas gehören dazu. Die GEKE vertritt damit insgesamt rund 50 Millionen Protestanten. Die GEKE gibt es dank der Leuenberger Konkordie aus dem Jahr 1973. Ihre Geschäftsstelle befindet sich in Wien. Außenstellen bestehen in Brüssel (Ethik & Politik) und Bern (Öffentlichkeitsarbeit). Alle sechs Jahre bestimmt die Vollversammlung der GEKE die Grundlinien der Arbeit. Der 13köpfige Rat und das 3köpfige Präsidium leiten die Arbeit. Ziel der Arbeit der GEKE ist Ausbau und Förderung der Kirchengemeinschaft. Mit der Unterzeichnung der Leuenberger Konkordie verpflichten sich die Mitgliedskirchen zum „gemeinsamen Zeugnis und Dienst“ und arbeiten gemeinsam daran, sich trotz der bestehenden Unterschiede einander anzunähern, wo immer dies möglich ist.

Anmerkung zur Leuenberger Konkordie

Mit der Leuenberger Konkordie (16. März 1973) haben lutherische, reformierte und unierte Kirchen Europas in der Bindung an die sie verpflichtenden Bekenntnisse und unter Berücksichtigung ihrer Traditionen die theologischen Grundlagen ihrer Kirchengemeinschaft dargelegt und einander Gemeinschaft an Wort und Sakrament gewährt. In der Leuenberger Konkordie wird der Weg zur Kirchengemeinschaft reflektiert und das gemeinsame Verständnis des Evangeliums dargelegt. Außerdem werden die Lehrverurteilungen der Reformationszeit in den Blick genommen und um gegenwärtige theologische Stellungnahmen ergänzt. Die Leuenberger Konkordie erläutert, was Kirchengemeinschaft im Einzelnen bedeutet und wie sie organisiert werden kann.

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