Memminger Pflegesymposium 2016

23.5.2016 Memmingen. 11. Memminger Pflegesymposium: Namhafte Referenten diskutieren über steigende Arbeitsbelastung im Klinikalltag.

Die Pflege steht vor großen Herausforderungen: Immer weniger Pflegende versorgen immer mehr Patienten, die zudem älter und damit chronisch kränker werden. Wie diese Anforderungen gemeistert werden können, zeigten namhafte Referenten beim 11. Pflegesymposium in der Memminger Stadthalle. Bereits am Vorabend des Symposiums wurden die Organisatoren vom Verband der Pflegedienstleitungen in Schwaben von Schirmherr Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger im Rathaus empfangen.

In Deutschland versorgt eine Pflegekraft pro Schicht über zehn Patienten. In den Niederlanden oder Großbritannien beispielsweise seien es lediglich vier bis fünf Patienten, erklärte Professor Christel Bienstein von der Universität Witten/Herdecke vor rund 450 Symposiumsteilnehmern. „Eine völlige Schieflage“, kritisierte die Pflegewissenschaftlerin in der Stadthalle. „Kollegen aus dem europäischen Ausland schütteln den Kopf, wenn sie hören, wie es bei uns in Deutschland zugeht.“

Im Jahr 1999 hätte ein Arzt auf vier Pflegende zurückgreifen können. Heute seien es nur noch zwei Pflegekräfte. Und das, obwohl die Anforderungen gestiegen statt gesunken seien. Dabei gibt es laut Bienstein Studien, die beweisen würden, dass das Risiko für die Patienten steige, wenn zu wenig Pflegende und zu wenig qualifizierte Pflegende auf Station sind. „So entsteht eine Gefahr für die Patienten“, sagte die Wissenschaftlerin und Präsidentin des deutschen Pflegeverbandes. Das Mortalitätsrisiko steige, ebenso das Sturz- und Infektionsrisiko.

Um die Gefahr von Infektionen im Krankenhaus möglichst gering zu halten, ist die Einhaltung der Hygieneanforderungen notwendig, betonte Hygienefachkraft Carmen Peper vom Klinikum Memmingen in ihrem Vortrag mit dem ironischen Titel: „Steril ist steril, auch wenn es gleich zu Boden fiel“. Laut Peper sei der wichtigste Keimüberträger die Hand der Mitarbeiter. „Die meisten Krankheitserreger können Wochen bis Monate auf Flächen überleben“, warnte Peper.

Wie die Pflege mit der neuen Arbeitsbelastung umgehen kann, versuchte der Regensburger Neurologe, Psychiater und Psychotherapeut Dr. Stefan Demel zu klären: In großen Studien sei nachgewiesen worden, dass die Beschäftigen dann mit ihrem Arbeitsplatz zufrieden seien, wenn sie wertgeschätzt würden und mit sich selbst sorgsam umgingen. Eine solche Kultur der gegenseitigen Achtsamkeit verbessere die Arbeitsmoral und senke nachhaltig die Betriebsausgaben. Denn die im Arbeitsleben gängigen Kategorien von „richtig“ und „falsch“, „effektiv“ und „gewinnbringend“ säen vielfach teure Folgeerscheinungen: Misstrauen, ineffektive Arbeitsabläufe und innere Kündigung.

Hat ein Mitarbeiter bereits innerlich gekündigt, weiß die fränkische Motivationstrainerin Margit Hertlein Rat, die unter dem Motto „Raus aus dem Jammersumpf“ auf humorvolle Weise Tipps für mehr Zufriedenheit am Arbeitsplatz gab: Neben der Ansage „Tun sie sich selbst etwas Gutes!“ zeigte die Trainerin und Buchautorin dem begeisterten Publikum, wie man sich selbst voller Anerkennung den Bizeps küsst und mit den Händen ein „Lob-Töpfchen“ formt, in das Mitarbeiter und Vorgesetzte positive Worte füllen können.

Für viel Begeisterung sorgte am Ende des Symposiums auch der Münchner Entertainer und „Gedankenverführer“ Dr. Florian Ilgen, der als Experte für das Unbewusste die Gedanken der Zuschauer lass.

Bereits am Vorabend des Symposiums wurden die Organisatoren vom Verband der Pflegedienstleitungen in Schwaben von Schirmherr Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger im Rathaus empfangen. „Die Pflegenden sind das Rückgrat eines jeden Krankenhauses und Altenheims“, betonte der Rathauschef und dankte den Organisatoren, allen voran Pflegedirektor Hans-Jürgen Stopora vom Klinikum Memmingen, für ihr Engagement.

Das Pflegesymposium als Plattform für Pflegeberufe aus ganz Schwaben findet seit 1996 alle zwei Jahre in Memmingen statt und ist die größte Veranstaltung dieser Art in Bayern. „Die Gesellschaft verändert sich und damit auch die Anforderungen an die Pflege“, resümierte Organisator Stopora am Ende des diesjährigen Symposiums.

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