Modellregion Unterallgäu Nordwest: Wie die Energiewende gelingt

3.11.2016 Landkreis Unterallgäu. Wie kann die Energiewende gelingen? Das soll in den kommenden fünf Jahren im Unterallgäu demonstriert werden. Der Landkreis Unterallgäu, das Energie- und Umweltzentrum Allgäu (Eza), die Lechwerke AG (LEW) und weitere Partner wollen die Energiewende in der „Modellregion Unterallgäu Nordwest“ umsetzen.

Verschiedene Maßnahmen dazu sind bereits angelaufen. Darüber informierten Landrat Hans-Joachim Weirather, LEW-Vorstandsmitglied Norbert Schürmann und Eza-Geschäftsführer Martin Sambale in einer Pressekonferenz bei der Firma Wanzl in Kirchheim.

Die Modellregion soll zeigen, ob und wie eine überwiegend auf erneuerbaren Energien beruhende Versorgung im ländlichen Raum machbar ist. Dazu soll der Anteil erneuerbarer Energien am Strom- und Wärmeverbrauch von heute knapp 40 auf 60 Prozent ausgebaut werden, informierte Martin Sambale. Außerdem soll die Energieeffizienz erhöht und Energie eingespart werden. Für den deutschlandweit einmaligen Feldversuch gibt es eine Förderung in Höhe von knapp 870.000 Euro aus dem Energie- und Umweltfonds der Bundesregierung über das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und dessen Projektträger, der Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe (FNR).

Voraussetzung für den Erfolg des Vorhabens ist laut Sambale eine „sehr intensive Zusammenarbeit“ mit den 27 Kommunen der Modellregion. Als Modellregion ausgewählt wurde der nordwestliche Landkreis mit den Verwaltungsgemeinschaften Babenhausen, Boos, Memmingerberg, Erkheim, Pfaffenhausen und Kirchheim. „Überall dort starten derzeit Energieteams, die bestehende Projekte vorantreiben und neue initiieren“, sagte der Eza-Geschäftsführer. Die Gemeinden werden nach seinen Worten nicht nur kommunale Maßnahmen umsetzen, sondern auch Hausbesitzer, Bauherren oder Unternehmen mit ins Boot holen. So sind in den Gemeinden der Modellregion zum Beispiel kostenlose Beratungen geplant. Erfolgreich gestartet sei ein erstes Angebot in Winterrieden. Dort können Bürger ihre Gebäude von einem Energieberater checken lassen. „Die ersten 50 Beratungen waren sofort ausgebucht“, freute sich Sambale. Daneben hätten Unternehmen wie die Molkerei Ehrmann in Oberschönegg, der Ökohaushersteller Baufritz in Erkheim, das Ziegelwerk in Klosterbeuren oder die Metallwarenfabrik Wanzl in Kirchheim erfolgreich Maßnahmen zur Effizienzsteigerung oder zur Nutzung erneuerbarer Energien umgesetzt.

Ein Bild davon machten sich die Teilnehmer der Pressekonferenz bei der Firma Wanzl. Der Hersteller von Einkaufs- und Gepäcktransportwagen nutzt die Wärme eines Blockheizkraftwerks, das mit Biogas von der nahegelegenen Spöckmühle versorgt wird. Wie das funktioniert, erläuterten Aufsichtsratsvorsitzender Gottfried Wanzl, Wanzl-Energiemanager Oliver Scheppach und Hermann Fischer von der Spöckmühle. Die Vernetzung lokaler Akteure sowie der Einsatz energieeffizienter Technologien und erneuerbarer Energien in Kirchheim ist Eza zufolge ein „hervorragendes Beispiel für eine erfolgreiche Energiewende vor Ort“.

Wie es in der gesamten Modellregion um die Energiewende bestellt ist und sich die Lechwerke in das Projekt einbringen, darauf ging LEW-Vorstandsmitglied Norbert Schürmann ein. „Die Region hat schon jetzt einen überdurchschnittlich hohen Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch“, so Schürmann. Allerdings werde der Strom aus erneuerbaren Energien nicht immer dann erzeugt, wenn er gebraucht werde. Im Rahmen des Vorhabens werden die Lechwerke deshalb ein virtuelles Regionalwerk zur Systemintegration von erneuerbaren Energien untersuchen und Interessenten bei der Speicherung und Nutzung von Solarstrom für Wärmezwecke unterstützen. Gleichzeitig stellte Schürmann klar: „Energiewende ist mehr als nur Stromwende.“ Die Bereiche Mobilität und Wärme gelte es ebenso zu beachten. Eine stärkere Wärmenutzung bestehender Biogasanlagen sei daher ein wichtiges Ziel.

Der Landkreis Unterallgäu setzt sich laut Landrat Weirather seit Jahren erfolgreich für erneuerbare Energien ein. Der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch sei in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Gleichzeitig sei der Stromverbrauch gesunken. Dass ein großer Teil des Landkreises nun als Modellregion für ganz Deutschland ausgewählt worden sei, sei nicht nur eine Anerkennung für die geleistete Arbeit, sondern auch „eine Auftrag, diesen Weg konsequent weiter zu verfolgen“.

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