Mülltrennung macht nach wie vor Sinn

18.11.2016 Landkreis Unterallgäu. Die Unterallgäuer sind fleißige Mülltrenner: Im vergangenen Jahr wurden pro Kopf fast 94 Kilogramm Verpackungsabfälle erfasst – unter anderem über den Gelben Sack. Dieser ist in den vergangenen Wochen jedoch in die Kritik geraten:

Fast die Hälfte der darin gesammelten Wertstoffe werde nicht recycelt, sondern lande in der Müllverbrennung, hieß es in den Medien. Die Bürger sollten sich davon nicht verunsichern lassen, sagt Edgar Putz, Leiter der Kommunalen Abfallwirtschaft des Landkreises. „Mülltrennung macht nach wie vor Sinn.“ Noch wichtiger sei es aber, Abfälle zu vermeiden. Im Rahmen der europäischen Woche der Abfallvermeidung von 19. bis 27. November erläutert Putz, was mit Verpackungsabfällen geschieht.

Herr Putz, im vergangenen Jahr wurden fast 94 Kilogramm Verpackungsabfälle je Landkreisbürger erfasst. Was geschieht mit diesen Wertstoffen?

Edgar Putz: Zu den Verpackungsabfällen zählen Glas, Papier, Pappen und Kartonagen sowie Leichtverpackungen aus Kunststoffen, Aluminium oder Blechdosen. 89 Prozent des über die Glascontainer erfassten Altglases werden der Wiederverwertung zugeführt. Aus altem Verpackungsglas wird neues Glas hergestellt. Papier, Pappe und Kartonagen werden an Papierfabriken geliefert. Die sogenannte Altpapier-Einsatzquote, das ist das Verhältnis von eingesetztem Altpapier zur produzierten Menge, liegt bei durchschnittlich 74 Prozent. Die über den Gelben Sack erfassten Leichtverpackungen werden zu 94 Prozent verwertet. Rund 40 Prozent der im Gelben Sack enthaltenen Wertstoffe werden der stofflichen Verwertung zugeführt, also recycelt. Der Rest wird energetisch verwertet.

Dann stimmt es also, dass ein Großteil des Verpackungsmülls in der Müllverbrennung landet?

Putz: Nein. Der Kunststoff, der energetisch verwertet wird, wird größtenteils in Hochöfen und Zementwerken eingesetzt. Das heißt, Kunststoffe, die fürs Recycling nicht geeignet sind, werden als Ersatz für fossile Brennstoffe genutzt. Dadurch werden Ressourcen geschont. Bundesweit landen im Schnitt lediglich sechs Prozent der über den Gelben Sack erfassten Sammelware tatsächlich in der Müllverbrennung.

Abfalltrennung macht also weiterhin Sinn?

Putz: Auf jeden Fall. Die Verbrennung in der Müllverbrennungsanlage ist schon aufgrund der Rechtslage nur dann zulässig, wenn alle anderen Möglichkeiten der Verwertung ausgeschöpft sind. Außerdem sind Abfalltrennung und Recycling wichtig für die Schließung von Stoffkreisläufen. Wertstoffe, die aus Gedankenlosigkeit oder Bequemlichkeit über die Restmülltonne entsorgt werden, sind dem Stoffkreislauf dauerhaft entzogen. Sie stehen weder für eine Wiederverwertung zur Verfügung noch können sie am Ende ihres Lebenszyklus gezielt zur Schonung von Ressourcen eingesetzt werden. Noch wichtiger als den Müll zu trennen ist es allerdings, diesen zu vermeiden. Der beste Abfall ist der, der gar nicht erst produziert wird.

Entsteht nach wie vor viel Abfall?

Putz: Die Verpackungsflut ist leider ungebrochen. In den letzten zehn Jahren ist allein die an den Unterallgäuer Wertstoffhöfen erfasste Menge an Leichtverpackungen im Gelben Sack um 40 Prozent gestiegen. Der bundesweite Verpackungsverbrauch war 2014 mit 103 Kilogramm pro Kopf im Jahr um 6,9 Kilogramm höher als 1991, dem Jahr des Inkrafttretens der Verpackungsverordnung. Die Produktion und die Entsorgung von Verpackungen beansprucht viel Energie, verursacht einen logistischen Aufwand und zehrt an den Ressourcen.

Viele weitere Informationen rund ums Thema Abfall sind im Internet unter www.unterallgaeu.de/abfall zu finden.

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