Neue Qualifizierungsreihe für Dolmetscher startet in Lindau

4.7.2016 Lindau (Bodensee). Der Landkreis Lindau und das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands e.V. bieten ab sofort für Dolmetscher ein Qualifizierungsangebot. Es sollen dabei Kompetenzen vermittelt werden, die den Dolmetschern ihre tägliche Arbeit mit den neu zugewanderten Menschen erleichtern und sie zu Kulturmittlern machen.

Ziel ist immer, die Hilfe zur Selbsthilfe in ein eigenverantwortliches und selbständiges Leben in der gesellschaftlichen Ordnung. An der Auftaktveranstaltung nahmen rund 30 Dolmetscher teil. In lebhaften Diskussionen fand ein intensiver Austausch zwischen Asylsozialberatung, Fachbereichsleitungen und den Akteuren statt.

Dolmetscher nehmen eine entscheidende Rolle bei der Ankunft und der Integration von Flüchtlingen ein. So treten sie in Behörden, im Gesundheitswesen, aber auch in Alltagssituationen als Sprachrohr beider Seiten immer häufiger auf. Deshalb wird im Landkreis Lindau schon seit einigen Jahren die Qualifikation von Dolmetschern zu Kulturmittlern umgesetzt. Schon 2008 stand im Projekt Bückenbauer die Akquise und Begleitung von integren Übersetzern im Mittelpunkt. Nun kann dieser Prozess im Folgeprojekt IKÖ³ weiter begleitet werden.

„Ein Großteil der hier ankommenden Menschen sucht Sicherheit. Diese basiert auf unseren gesellschaftlichen Grundwerten und damit auf unserer Verfassung“, so stimmte Patrick Zobel, Fachbereichsleitung Familien und Jugend, die Teilnehmer ein, die oftmals selbst ein Hintergrund als Flüchtling haben. So auch Obeida Atiya, der sich als Sohn einer Flüchtlingsfamilie sehr gut integriert fühlt und bald ein Studium der Sozialpädagogik beginnt. Angeregt durch Begrüßung und Interview diskutierten die Gäste anschließend definierte Themen in mehreren kleinen „Cafés“. Sprachliche Barrieren wurden in der ungezwungenen Atmosphäre abgebaut und unterschiedliche Ansichten mitunter durch Bilder auf den Tischdecken visualisiert.

Diskutiert wurden beispielsweise Gesundheitsthemen unter dem Schlagwort „Alle Flüchtlinge wollen zum Arzt“ und am Tisch „Die Schule beginnt um Acht“ wurde über das Zeitmanagement und Erziehungsfragen in unserem Schulsystem gesprochen. Über Konflikte und Regeln wurde sich an einem anderen Tisch ausgetauscht. Rege Diskussionen fanden auch an den Tischen „Selbstverantwortung und gesellschaftliche Ordnung“ sowie am Tisch „Lebensunsicherheit und Herkunftssituation“ statt.

Die abschließende Zusammenfassung brachte eine Vielzahl von Aufträgen, die das Moderatorenteam Monika Schanz vom Landratsamt Lindau und David Meissner, IKÖ³-Kooridnator des CJD Bodensee-Oberschwaben, gerne mitnahmen. „Wir werden schon im Juli mit unserem ersten Qualifikationsmodul starten“, so David Meissner. Die Veranstaltung am 22. Juli 2016 wird unter dem Thema „Schritte vom Asylantrag bis zum Geld verdienen“ stehen.

Die Auftaktveranstaltung reiht sich ein in die Aktivitäten des Projektes „IKÖ³-Interkulturelle Öffnung“. Es wird durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gefördert.

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