Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger erinnert sich an Begegnungen mit dem verstorbenen Altkanzler Helmut Schmidt

11.11.2015 Memmingen. Drei Monate vor dem Wahltermin im Oktober 1980 traf Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt zum ersten Mal. Holzinger arbeitete im Bundesfinanzministerium und wurde zu einem Termin des Kanzlers mit Abgeordneten gebeten.

„Ach, der Herr Bürgermeister aus Bayern kommt“, habe ihn Kanzler Schmidt herzlich begrüßt, erinnert sich Holzinger. „Er hat mich damals im Wahlkampf unterstützt.“ Am 5. Oktober 1980 fand gleichzeitig mit der Bundestagswahl die Oberbürgermeisterwahl in Memmingen statt. Schmidt behielt Recht mit seiner lockeren Begrüßung. Holzinger wurde Oberbürgermeister in Memmingen, Schmidt wurde als Bundeskanzler wiedergewählt.

„Solange er Bundeskanzler war, habe ich von ihm jedes Jahr am 4. April ein Glückwunschtelegramm zum Geburtstag bekommen“, erzählt der Oberbürgermeister. Die Telegramme hat er heute nicht mehr, aber prägende Erinnerungen an den großen Staatsmann sind geblieben. Holzinger und Schmidt sind sich immer wieder begegnet. „Im persönlichen Gespräch hat er noch stärker gewirkt als im Fernsehen deutlich wird“, beschreibt Holzinger. „Er war ein kluger Mann mit der außergewöhnlichen Fähigkeit druckreif zu formulieren. Das hat mich sehr beeindruckt. Er war humorvoll, freundlich und immer direkt.“

Auch politisch wirken Entscheidungen von Kanzler Schmidt bis heute, betont Holzinger. „Gleich nach seiner Wahl zum Bundeskanzler 1974 hat Schmidt das Städtebauförderungsprogramm gegründet, das für uns in Memmingen äußerst wichtig ist.“ Rund 50 Millionen Euro (DM-Beträge umgerechnet mit eingeschlossen) habe die Stadt seit 1974 an Zuschüssen aus diesem Förderprogramm erhalten, die wiederum 100 bis 120 Millionen Euro an Investitionen nach sich gezogen hätten, berichtet der OB.

Schmidts Haltung zum Nato-Doppelbeschluss 1979 über atomare Aufrüstung in Westeuropa bei gleichzeitiger Rüstungskontrolle sei der entscheidende erste Schritt zur späteren Wiedervereinigung in Deutschland gewesen, betont Holzinger. „Seine Zustimmung war gegen den Zeitgeist der Friedensbewegung und auch innerhalb der Partei umstritten. Schmidt ist hart geblieben, und es war die richtige Entscheidung.“ Als Sozialdemokrat sei Helmut Schmidt ein Vorbild für ihn gewesen. „Ich weiß, das sagen im Moment alle. Aber es ist so. Er hat eine sozialdemokratische Politik für die kleinen Leute betrieben, die an der praktischen Vernunft und nicht an der Ideologie orientiert war. Solche Politiker brauchen wir auch in Zukunft.“

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