Staatliches Bauamt rät zu Übergangslösung am Berliner Platz in Lindau

24.11.2016 Lindau. Das Staatliche Bauamt Kempten sieht weiterhin ein Unterführungsbauwerk (Fly Under) als bessere Lösung der Verkehrsprobleme am Berliner Platz. Dies ist das Ergebnis enger Abstimmungsgespräche zwischen dem Staatlichen Bauamt und der Stadt Lindau.

Allerdings befürchten Stadt und Staatliches Bauamt, dass der so genannte „Fly Under“ nicht rechtzeitig zur Inbetriebnahme des Bahnhofs Reutin Ende des Jahres 2020 fertig wird. Deshalb rät Thomas Hölzl, Leiter der Behörde, der Stadt, zunächst auf eine Interimslösung zu setzen.

Hölzl begründet dies mit dem Ergebnis eines Zeitplans, den Thomas Hanrieder vom Staatlichen Bauamt jetzt vorgelegt hat. Darin hat er sämtliche Planungs-, Genehmigungs- und Bauzeiten eingerechnet. Das Ergebnis: Der Tunnel wird frühestens Ende 2021 fertig. Allerdings verbindet Hanrieder diese Prognose gleich mit einer Warnung: „Die Berechnung enthält keinerlei Pufferzeiten. Es müsste alles perfekt und ohne Verzögerungen laufen.“ Dennoch wäre der Tunnel damit erst ungefähr ein Jahr nach der Inbetriebnahme des neuen Bahnhofs fertig.

Hölzl stellt bisherige Überlegungen in Frage

Dies würde uns an dieser Stelle vor erhebliche Probleme stellen“, gibt Kai Kattau, Leiter der Garten- und Tiefbaubetriebe der Stadt, zu bedenken. Bereits in der Bauzeit könnten sich Arbeiten am Bahnhof und am Tunnel gegenseitig behindern und das Projekt erheblich verteuern und verzögern.

Hölzl führt noch weitere Argumente ins Feld, warum er für eine Übergangslösung plädiert. „Es ist fraglich, ob sich der Bund mit einer beschränkten Durchfahrtshöhe von weniger als 4,50 Meter zufrieden geben würde, wenn er hier einen hohen Betrag investiert“, stellt er bisherige Überlegungen in Frage. Er gehe davon aus, dass der Bund ein Optimum an Verbesserung erreichen wolle, wenn er an den Kosten beteiligt ist. Ähnlich hatte bereits Hanrieder im Lindauer Stadtrat argumentiert, als es darum ging, dass die Rickenbacher Straße auch beim Bau eines Tunnels nur noch als Einbahnstraße befahrbar sein werde. Eine größere Durchfahrtshöhe würde den Bau erheblich verteuern, den Tunnel länger machen und gleichzeitig die Bauzeit verlängern.

Hölzl verweist aber auch noch auf einen weiteren Umstand: „Aus städteplanerischer Sicht wäre es sinnvoll, die Entwicklungen im gesamten Umfeld mit einzubeziehen.“ Damit meint er sowohl die Entwicklung auf dem ehemaligen Cofely-Gelände als auch auf den Bahnflächen in Reutin.

Vorgelegter Plan hat keinerlei Puffer

Diese Einschätzung teilt er mit Christian Herrling, Leiter der Stadtplanung in Lindau: „Natürlich wäre es vernünftiger, wenn wir nicht unter hohem Zeitdruck jetzt einen Tunnel bauen und damit möglicherweise ein besseres Gesamtkonzept blockieren.“

Lindaus Oberbürgermeister Dr. Gerhard Ecker ist ebenfalls skeptisch, was die Bauzeit angeht. „Der jetzt vorgelegte Plan hat keinen Puffer und berücksichtigt die Verzögerung nicht, die ein möglicher Bürgerentscheid oder Klagen gegen das Projekt mit sich bringen würden. Deshalb scheint es mir sinnvoll, dem Rat von Herrn Hölzl zu folgen, und mögliche Übergangslösungen zu prüfen.“

Er selbst ist in enger Abstimmung mit dem Betreiber dabei, auszuloten, inwiefern die Zufahrt zum Lindaupark anders gestaltet werden kann. „Momentan sehe ich keine reelle Möglichkeit, den Tunnel fristgerecht fertigzustellen. Wir müssen aber rechtzeitig eine funktionierende Anbindung des Bahnhofs hinbekommen“, fasst er die Situation zusammen.

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